Gedanken zur Gesundheit

 

Gesundheit zu definieren ist nicht einfach. Man wird sich ihrer meist erst bewusst, wenn sie abhanden gekommen ist. Ist also Gesundheit einfach die Abwesenheit von Krankheit? Wir kommen mit sehr individuellen Fähigkeiten und Unzulänglichkeiten zur Welt, doch haben wir nicht das Gefühl, krank zu sein. Gesundheit beruht auf einem individuellen, dynamischen Gleichgewicht zwischen dem vererbten Körper, unserem Geistimpuls (Lebenssinn) sowie der vermittelnden, erlebenden Seele. Dieses Gleichgewicht muss immer wieder neu errungen werden. Es befähigt den Menschen, sich an seine physische und soziale Umwelt anzupassen und aktiv auf sie einzuwirken. So betrachtet ist Gesundheit kein passiver, bequemer Vorgang, sondern erfordert auch Eigenleistung im Hinarbeiten auf Selbstverwirklichung und Sinngebung des Lebens. Dabei geht es auch um das Akzeptieren und Verwandeln der eigenen Stärken und Schwächen.


 

Die Definition, dass Krankheit dann vorhanden ist, wenn diagnostisch von der Norm abweichende objektive Befunde vorliegen, entspricht einem einseitigen, naturwissenschaftlichen Denken. Normbegriffe sind immer Durchschnittswerte und können nie für das Individuum entscheidend sein. Neben dem objektiven Befund gilt es auch, das jeweilige subjektive Befinden des Menschen zu akzeptieren. Jede Definition, die nur den Befund oder nur das fehlende Wohlbefinden allein berücksichtigt, reicht nicht aus, um den Begriff Krankheit zu erfassen.


 

Im Zentrum einer naturheilkundlichen Therapie steht das, was den Menschen gesund erhält (Salutogenese), nicht, was ihn krank macht (Pathogenese). Beim pathogenetischen Ansatz sind Viren Auslöser für einen Schnupfen, während der salutogenetische Ansatz nach den Bedingungen sucht, die eine Besiedlung mit Viren erst möglich macht. Mittels Selbstregulation versucht der Organismus, das Ungleichgewicht, das durch Krankheit entstanden ist, wieder ins Lot zu bringen. Diese Selbstregulation kann mit verschiedenen Faktoren wie ausgewogener Ernährung, sinnvoller Bewegung, künstlerischer Tätigkeit sowie Auseinandersetzung mit Idealen und Emotionen unterstützt werden. Im Erkennen der Zusammenhänge des eigenen Lebens sind Veränderungen oft notwendig, damit Gesundheit wieder erlangt werden kann. Sich trennen von dem, was belastet, und ergänzen mit dem, was Kraft schenkt, ist hier angezeigt. Das Ziel der Therapie ist sicher die Befreiung von Krankheit. Das bedeutet aber nicht immer, dass diese vollständig beseitigt wird. Die Befreiung soll helfen, mit den Unzulänglichkeiten umzugehen und diese ins Leben zu integrieren. Der Glaube und die Überzeugung, dass das eigene Leben einen Sinn hat und dass es selbst gestaltet werden kann, sind wichtige Säulen zur Wiedererlangung von Gesundheit.